Affenpocken

Erreger und Übertragung

Affenpocken sind eine seltene, vor allem von Nagetieren auf den Menschen übertragene Erkrankung, also eine Zoonose. Der Erreger ist das Affenpockenvirus (Orthopoxvirus simiae) aus der Gattung Orthopoxvirus. Das Affenpockenvirus ist verwandt mit den klassischen Menschen-Pockenviren (Variola) und den Kuhpockenviren.

Affenpockenviren sind bei Nagetieren in West- und Zentralafrika verbreitet. Affen und auch der Mensch sind "Fehlwirte" für das Virus. Aus west- und zentralafrikanischen Ländern werden immer wieder Fälle von Affenpocken beim Menschen gemeldet, darunter in Nigeria, Kamerun, der Demokratischen Republik Kongo und der Republik Kongo. Bis zum Frühjahr 2022 gab es außererhalb des afrikanischen Kontinents  nur vereinzelte - insbesondere aus Nigeria - importierte Fälle von Affenpocken, z. B. in Großbritannien 2022 und 2018, in den USA 2021, Singapur 2019 und Israel 2018. Seit Mai 2022 werden zum ersten Mal außerhalb Afrikas Affenpockenfälle registriert, die nicht importiert wurden, die Ansteckung erfolgte also nicht in Afrika vom Tier auf den Menschen, sondern von Mensch zu Mensch. Das ist eine neue epidemiologische Situation. Mehr darüber können Sie auf unserer Seite Internationaler Affenpockenausbruch 2022 lesen.

Übertragung vom Tier auf den Menschen

Viren können durch Kontakte zu infizierten Tieren übertragen werden, z. B. durch Bisse, über Sekrete und Exkrete, außerdem durch engen Umgang wie etwa bei der Jagd. Zur Infektion kann auch durch den Verzehr von nicht ausreichend erhitztem Fleisch infizierter Tiere kommen.

Übertragung von Mensch zu Mensch

Die Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist selten und nur bei engem Kontakt möglich. Viren können durch Kontakt mit Körpersekreten oder Bläscheninhalt, Schorf aus den typischen Hautveränderungen der Infizierten (z. B. bei sexuellen Handlungen) aber auch über Atemwegssekrete (Face-to-Face-Kontakt) übertragen werden. Eine Übertragung über Aerosole ist nach aktuellem Kenntnisstand unwahrscheinlich. Eine Virusweitergabe ist bereits dann möglich, wenn der Infizierte noch keine spezifische Symptome hat, "nur"  etwa Fieber, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen. Ob Affenpocken durch Sperma oder Vaginalsekret verbreitet werden können, ist derzeit noch nicht abschließend geklärt, scheint aber möglich. Das Virus kann über kleinste Verletzungen der Haut sowie der Schleimhäute (Auge, Mund, Nase, Genitalien, Anus), möglicherweise auch des Respirationstrakts in den Körper eindringen. Übertragungen von Affenpockenviren bei Schwangeren über die Plazenta auf das Ungeborene sind ebenfalls beschrieben. Infizierte sind ansteckend, solange sie Symptome haben - in der Regel zwei bis vier Wochen lang.

Die derzeit neu aufgetretenen Affenpocken-Fälle wurden insbesondere (aber nicht ausschließlich) bei Männern, die Sex mit Männern haben (MSM) diagnostiziert. Das Auftreten der typischen Hautausschläge im Uro- und Anogenitalbereich in manchen Fällen deuten darauf hin, dass die Übertragung der Viren während des Geschlechtsverkehrs erfolgte.

Übertragung über Gegenstände

Alle Gegenstände, die durch einen Infizierten mit dem Virus kontaminiert wurden, z. B. Kleidung, Bettwäsche, Handtücher, Essgeschirr, können andere anstecken. Das Affenpockenvirus ist in der Lage, über lange Zeiträume (Tage bis Monate) auf Oberflächen oder Stoffen zu überleben (Stand: 27.05.2022).

Das Krankheitsbild

Affenpocken verlaufen in der Regel deutlich milder als die klassischen Menschen-Pocken (Variola). Die meisten Patienten erholen sich innerhalb von mehreren Wochen, allerdings können bei einigen Betroffenen auch schwere Verläufe auftreten.

Die Inkubationszeit der Affenpocken beträgt etwa 5 bis 21 Tage (Stand: 24.05.2022). Erste Symptome sind Fieber, Kopf-, Muskel- und Rückenschmerzen und geschwollene Lymphknoten. Einige Tage nach dem Auftreten von Fieber entwickeln sich die typischen Hautveränderungen vom Fleck bis zur Pustel; die Pusteln verkrusten letztlich und fallen ab. Der Ausschlag konzentriert sich in der Regel auf Gesicht, Handflächen und Fußsohlen. Die Pusteln können auch auf dem Mund, den Genitalien und den Augen auftreten. Wie die seit Mai 2022 gemeldeten Fällen zeigen, können die Ausschläge auch im Urogenital- und Anal-Bereich auftreten. Die Symptome halten in der Regel zwischen zwei und vier Wochen an und verschwinden ohne Behandlung von selbst, die Ausschläge können entstellende Narben hinterlassen.

Zu den Komplikationen in endemischen (afrikanischen) Ländern gehören Hirnentzündung, bakterielle Hautinfektionen, Flüssigkeitsverlust, Bindehaut-, Hornhaut- und Lungenentzündung.

Gibt es eine Impfung gegen Affenpocken?

Gegen die klassischen humanen Pocken (Variola) bestand weltweit eine Impfpflicht, nur so war es möglich diese schwere Erkrankung, an der jede zweite Infizierte starb, auszurotten. Seit 1980 ist die Welt Dank des weltweiten Impfprogramms pockenfrei. Die Impfpflicht wurde in der BRD 1976 und in der DDR 1982 aufgehoben.

Aufgrund der Ähnlichkeit der Viren schützen Impfstoffe, die zum Schutz vor den echten Pocken (Variola) entwickelt wurden, auch vor Affenpocken. Diejenigen, die damals noch mit dem Lebendimpfstoff gegen Pocken geimpft wurden, haben einen gewissen Schutz gegen Affenpocken: Laut WHO beträgt dieser Schutz etwa 85 Prozent.

In der EU ist seit 2013 ein neuer Pocken-Impfstoff zugelassen, der besser verträglich ist als die hierzulande bis in die 1970er-Jahre genutzten Pockenimpfstoffe. Er kann für Personen ab 18 Jahren eingesetzt werden. In den USA und Kanada ist dieser Impfstoff auch für die Impfung bereits gegen Affenpocken zugelassen.


Erstellt: 13.06.2022

Quellen:

  1. RKI: Internationaler Affenpocken-Ausbruch: Einschätzung der Situation in Deutschland Stand 31.5.2022 unter: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/A/Affenpocken/Ausbruch-2022-Situation-Deutschland.html
  2. RKI: Antworten auf häufig gestellte Fragen zu Affenpocken unter https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/Affenpocken/affenpocken_gesamt.html

NEU: STIKO-Impfempfehlung gegen Affenpocken

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt jetzt die Impfung gegen Affenpocken für Personen, die erhöhtes Risiko haben. In der EU ist ein Pockenimpfstoff ab 18 Jahren zugelassen, dieser kann auch zum Schutz vor Affenpocken eingesetzt werden.

Impfung nach Exposition
Wer mit einem Erkrankten engen körperlichen Kontakt (z. B. sexuelle Kontakte, Haushaltskontakte) hatte oder über längere Zeit in einem Abstand von unter einem Meter eng zusammensaß, für den kommt eine Impfung in Frage. Auch medizinisches Personal oder Laborpersonal, das ungeschützten Kontakt zu Affenpockenviren bzw. Infizierten hatte, sollte nachträglich die Impfung erhalten. Wie immer bei einer Impfung nach Exposition, sollte so schnell wie möglich geimpft werden, der spätestmögliche Zeitraum sind 14 Tage.

Vorbeugende Impfung
Darüber hinaus wird die Impfung den Gruppen zur Vorbeugung empfohlen werden, die ein besonders hohes Infektionsrisiko haben. Dazu gehören Männer, die gleichgeschlechtliche sexuelle Kontakte mit wechselnden Partnern haben; Grund ist, dass Fälle in Deutschland bisher ausschließlich bei Männern der MSM-Community aufgetreten sind und diese Gruppe deshalb besonders geschützt werden soll. Außerdem sollte sich Personal in Speziallaboratorien mit gezielten Tätigkeiten mit infektiösen Laborproben impfen lassen.

Für die Bekämpfung des Affenpockenausbruchs ist es neben der Impfung vor allem wichtig, Infizierte und deren Kontaktpersonen frühzeitig zu identifizieren, Isolations- und Quarantänemaßnahmen einzuleiten, mögliche Verdachtsfälle zeitnah diagnostisch abzuklären sowie die betroffenen Risikogruppen aufzuklären und über Schutzmaßnahmen zu informieren.


Erstellt: 21.06.2022

Quellen:

  1. Robert Koch-Institut: Nicht-reiseassoziierte Fälle von Affenpocken im Vereinigten Königreich. Epidemiologisches Bulletin 20/2022.
  2. Mönchengladbacher Arzt über Affenpocken: „Die Sorge vor einer neuen Pandemie ist aktuell völlig unbegründet“, RP online 24. Mai 2022
  3. Pressemitteilung der STIKO zur Affenpocken-Impfempfehlung, Stand 09.06.2022 https://www.rki.de/DE/Content/Kommissionen/STIKO/Empfehlungen/PM_2022-06-09.html
  4. Mitteilung der Ständigen Impfkommission beim Robert Koch-Institut: Beschluss und wissenschaftliche Begründung der STIKO für die Empfehlung zur Impfung gegen Affenpocken mit Imvanex (MVA-Impfstoff) unter:https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Archiv/2022/25-26/Art_01.html;jsessionid=971FC9441B6550C26ADECB08DA1362D6.internet091?nn=2375548